Österreich

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  Identität und Mentalität

 

Zusatzmaterialien

     
     

 

  Kulturwissenschaftliche Grundbegriffe Wenn man von einer besonderen österreichischen Mentalität oder Identität sprechen will, so setzt man theoretisch voraus, dass es Lebens- und Denkweisen gibt ("Kulturen"), die alle Menschen einer Gruppe ("Österreicher") gemeinsam haben. Man setzt auch voraus, dass sich diese Lebens- und Denkweisen signifikant von denen anderer Menschen unterscheiden.

Ein großes Problem besteht dann darin zu erklären, auf welcher Basis die jeweilige "Kultur" beruht. Wie ist sie entstanden? Welche Merkmale hat sie? Haben alle Österreicher die gleiche - und nur eine - "österreichische Kultur"?

Ein zweites Problem besteht in der Frage, wer diese "Kultur" definiert: Sind es die Angehörigen der betreffenden Kultur selbst, oder wird die Kultur von Außenstehenden definiert?

Lesen Sie bitte die folgenden kulturwissenschaftlichen Definitionen der wichtigsten Begriffe, die in diesem Teil verwendet werden und finden Sie Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Was ist das eigentlich - die "Mentalität" von Menschen und ihre kollektive "Identität"?
  • Was ist die "Kultur" eines Landes (einer "Nation"), auf die Menschen möglicherweise "stolz" sein können?
  • Beruht diese "Kultur" auf Fakten - oder auf "Bildern", die sich die Menschen selbst von der Realität des Landes machen? Entsprechen Sie der Wahrheit - oder sind es Stereotypen und Klischees? Wie unterscheidet man das voneinander?
  • Was versteht man eigentlich unter einem "kulturellen Eigenbild" (Selbstbild) und einem "Fremdbild" ? Wie entstehen sie? Und was ist dafür jeweils die Grundlage?
  • Wie entsteht "nationale Identität"?

      Identität, Selbstbild, Mentalität; Stereotyp, Klischee (Wikipedia)

      Kultur (Wikipedia); Kultur (Netlexikon)

      Nationalgefühl (Netlexikon)

 

     
  Ihre eigenen Assoziationen? An was denken Sie beim Stichwort "Österreich" oder "Österreicher"?

Notieren Sie sich kurz Ihre eigenen Stichpunkte.

  • Woher wissen Sie das?
  • Wodurch (durch wen?) wurden Ihre Bilder geformt?
  • Was wissen Sie nicht über Österreich?

 

     
  Fremdbilder - Eigenbilder:
"Typisch Österreich"?
Sehen Sie sich hier ein "Österreich-Quiz" mit Bilder an.
  • Welche Bilder sind Ihrer Meinung nach "typisch österreichisch"? Welche nicht?
  • Sind das die gleichen Assoziationen, die auch Sie hatten?
  • Was fällt Ihnen bei dem Quiz auf? Nach welchen Kriterien wurden diese Bilder ausgesucht?

       "Österreich, so wie es ist ..."

     
  Fremdbilder: Was fällt Deutschen an Österreich auf? Wie sehen durchschnittliche "Ausländer" Österreich? Lesen Sie hier eine Kurzbeschreibung Österreichs, die der Westdeutsche Rundfunk in Köln für seine Hörer erstellt hat (2004):

      Österreich

  • Wie werden Österreicher charakterisiert?
  • Sind diese Charakterisierungen positiv oder negativ?
  • Welche bekannten Klischees über Österreich finden Sie in diesem Text wieder? (Beachten Sie auch die Bilder)
  • Wie werden die Unterschiede zwischen Deutschen und Österreichern beschrieben?

Vergleichen Sie auch hier: Verkannte Genies - Was Deutsche von Österreichern halten

 

     
  Bilder vom attraktiven Österreich

Was ist an Österreich so attraktiv? Für wen?

  • Lesen Sie das folgende Portrait und fassen Sie die wichtigsten "attraktiven" Merkmale des Landes (aus Sicht der Autoren) zusammen: Österreich - Kurzportrait
  • Welche Aspekte werden hier überhaupt nicht erwähnt?
  • Was kann man anhand dieses Textes über die Wirtschaftsstruktur Österreichs vermuten?
    Welcher Wirtschaftszweig hat eine große Bedeutung für die Österreicher?

 

     
  Nachbarliche Österreich-Bilder Nicht alle Europäer haben ein positives Bild von Österreich - auch wenn das Land tatsächlich "schön" ist. Besonders in den unmittelbaren Nachbarländern (außer Deutschland) wird Österreich oft sehr kritisch gesehen.
Lesen Sie hier eine Aussage der kroatische Literaturwissenschaftlerin Mirjana Stancic:

Meisterhaft schimpfen. Schon vor dem EU-Beitritt Österreichs gehörte es zum Selbstverständnis bestimmter österreichischer Mentalitäten, ihre Übermacht an den Nachbarn zu demonstrieren, die als negative Widerspiegelung für all jene Eigenschaften herhalten mussten, die das Land zierten: Schön, besonders landschaftlich schön, dabei gemütlich, ausgeputzt, von witzigen Dichtern und sich im Selbsthass überbietenden Intellektuellen bevölkert, die über sich und die Deutschen so meisterhaft schimpfen, und dennoch ein Unikum des Wohlstands und von herausragender Lebensqualität sind.

(Quelle: modernpolitics.at, Nr.8/2004, "Österreich in Europa")

  • Was findet Frau Stancic an Österreich bemerkenswert?
  • Was findet sie negativ?
  • Was sagt sie über das Verhältnis zwischen manchen Österreichern und ihren Nachbarn?
  • Warum denken Kroaten und andere Nachbarn oft negativ über Österreich, Deutsche aber eher positiv?
  • Was könnte der historische Grund dafür sein?

 

     
  Nachbarliche Österreich-Bilder: Eine holländische Perspektive Das Österreich-Bild vieler anderer Europäer ist in ähnlicher Weise ambivalent - sowohl positiv als auch negativ. Dabei spielen die Nähe Österreichs zu Deutschland und die Geschichte eine große Rolle. Lesen Sie dazu den folgenden Text aus den Niederlanden:

Ferienerinnerungen an die Alpen - Nie mehr Wien!

  • Welche positiven Assoziationen haben Niederländer?
  • Wodurch hat sich dieses Bild gewandelt?
  • Welche negativen Assoziationen fallen den Niederländern beim Wien-Besuch ein?
  • Kann man diese Negativbilder sachlich rechtfertigen? Worauf beruhen sie - auf Beobachtung von "realer" österreichischer Kultur?
  • Kann man die positiven und negativen Bilder jeweils unterschiedlichen Erfahrungsbereichen und/oder Assoziationsfeldern zuordnen?
  • Was müssten Sie genauer wissen, bevor Sie den jeweiligen Bildern zustimmen oder sie ablehnen könnten?

 

     
  Eigenbilder: Die Mentalität der Österreicher Die Österreich-Bilder von Europäern sind also insgesamt recht ambivalent. Aber wie sehen sich die Österreicher eigentlich selbst?

Lesen Sie den folgenden Text eines Österreichers:

Wer sind die Österreicher? - Nationalcharakter

  • Wie beschreibt der Österreicher Jürgen Koppensteiner seine Landsleute?
  • Was sind positive, was sind negative Charakteristika?
  • Auf welche möglichen Probleme weist Koppensteiner hin? Was könnten diese Probleme mit der Wirtschaftsstruktur und der Geschichte zu tun haben?
  • Unterscheiden sich die Österreicher eigentlich von anderen Leuten?
  • Stimmt Koppensteiners Beschreibung mit den o.a. Fremdbildern überein?
  • Was beschreibt er positiv, das gleichzeitig in den Augen eines Niederländers sehr negativ aussieht?

 

 

     
  Eigenbilder: Das "Österreichbewusstsein"

Eine offensichtliche Schwierigkeit liegt in der Definition "Österreicher". Wer ist eigentlich "Österreicher"? Und welche Merkmale hat diese Definition?

Lesen Sie dazu eine Passage aus dem "Österreich-Lexikon" des Wiener Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur:

Die Österreicher

  • Wer wurde in der Vergangenheit als "Österreicher" bezeichnet? War diese Bezeichnung kulturell-sprachlich, ethnisch und/oder geographisch definiert?
  • Wie ist die moderne Definition eines "Östererichers"?
  • Haben Österreicher bestimmte Eigenschaften?
  • Was hat man an den Österreichern oft kritisiert? Wodurch sind diese Negativmerkmale möglicherweise entstanden?
  • Wie charakterisieren Österreicher sich selbst und was halten sie für die wichtigsten Symbole ihrer Identität?
  • Sind Eigen- und Fremdbilder gleich oder unterschiedlich?

 

  Eigenbilder: "Wer sind wir?" Die Eigendefinitionen österreichischer Identität beziehen sich also zu einem großen Teil auf historische Faktoren. Hier taucht aber ein weiteres Problem auf: Die Bezeichnung "Österreich" wurde im Laufe der europäischen Geschichte auf eine Region angewandt, die kaum jemals klare Grenzen hatte und mit Sicherheit keine ethnische und sprachlich-kulturelle Einheit darstellte. Lesen Sie dazu wieder im "Österreich-Lexikon":

Der Österreichbegriff

  • Erstellen Sie für sich selbst eine Tabelle:
  • Notieren Sie die angegebenen Jahreszahlen, die jeweilige Bezeichnung des Staates/der Staaten, ihre Ausdehnung sowie andere Besonderheiten, die jeweils genannt werden.
  • Was ist das Besondere an "Österreich"?
  • Kann man von einer "Nation" sprechen? (Vergleichen Sie hier mit der Standarddefinition von Nation)
  • Warum wird so oft der Familienname Habsburg erwähnt?
Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit dem folgenden Text:

"Wer sind wir?"

  • Man kann sagen, dass die "österreichische Nation" sehr jung ist. Seit wann haben die Österreicher eine eigene nationale Identität?
  • Was sind die Elemente, aus denen die moderne österreichische Identität gebildet wird?
  • Warum kann Jürgen Koppensteiner am Ende des Textes trotzdem sagen, dass die österreichische Identität unklar bleibt?

 

     
  Der Anfang des österreichischen Nationalbewusstseins Österreicher waren in der Geschichte tatsächlich selten frei, ihr eigenes Leben und ihre Identität selbst zu bestimmen. Das Land und seine Menschen waren zumeist ein "Produkt seiner Nachbarn in Europa", wie der österreichische Sozialwissenschaftler Günther R. Burkert-Dottolo schreibt:

Ernest Renans Antwort auf die Frage "Qu’est-ce qu’une nation?“ lautet: "Der gemeinsame Besitz eines reichen Vermächtnisses an Erinnerungen" und der Wunsch und Wille, zusammen zu leben, der vielzitierte "plebiscite de tous les jours". Die Österreicher haben zwar ein reiches Vermächtnis an Erinnerungen, nur ist es nicht gemeinsamer Besitz. Kaum ein historisches Staatengebilde in Europa war in seiner Geschichte so sehr außengesteuert wie Österreich. Nirgends wurde das Identitätsbewusstsein so tief getroffen und verletzt, wie in den österreichischen Ländern vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Die dadurch entstandene Unsicherheit spiegelt sich beispielsweise in einem Wettbewerb wider, den die "Innsbrucker Nachrichten" 1919 durchführten, um einen "unbelasteten" Namen für unser Territorium zu finden: Hochdeutschland, Neudeutschland, Jungdeutschland, Deutsche Südstaaten, Deutsches Bergreich, Deutsches Donauland, Donau-Germanien, Treumark oder Deutsches Friedland sind nur einige Beispiele. Die Entscheidung trafen schließlich die Alliierten, die darauf bestanden, den Vertrag von Saint-Germain mit der "Republique d’Autriche" abzuschließen. So kam es zur Republik Österreich. Wundert es bei dieser Geschichte, dass auch der Staatsvertrag als Grundlage der Selbständigkeit der Zweiten Republik (betrieben allerdings von starken ÖVP-Persönlichkeiten) der politische Wille der Alliierten war."

(Quelle: modernpolitics.at, Nr.8/2004, "Österreich in Europa")

  • Können Sie das mit Ihren eigenen Worten erklären?
  • Wer hat die "österreichische Nation" geformt? Ernest Renan betont den "Wunsch und Willen" der Menschen. Wie war das im Fall Österreichs?
  • Warum ist das möglicherweise problematisch?
 
     
  Eigenbilder: Elemente der modernen österreichischen Identität Ein Nationalgefühl der Österreicher konnte sich also erst in jüngster Zeit entwickeln. Gleichzeitig aber bezieht sich nationale Identität - so Ernest Renan - immer auf einen "gemeinsamen Besitz von (historischen) Erinnerungen".

Dies führt zu einer interessanten Mischung der Elemente moderner österreichischer Identität.
Lesen Sie den folgenden Werbetext einer Consulting-Firma in Wien
(Networld Consulting):

Warum Österreich? - eine kurze Einführung

  • Welche Elemente der österreichischen Identität sind historisch bedingt?
  • Welche Elemente der österreichischen Identität beziehen sich auf die Zeit nach 1945?
  • Welche Standardklischees gehören heute zur österreichischen Identität? Auf was oder wen sind die Österreicher stolz?
  • Welche Elemente der modernen österreichischen Identität werden hier besonders betont? Warum wohl?

 

     
 

Probleme mit der österreichischen Identität

Networld Consulting ist eine Ausnahme. So wie die moderne österreichische Nation erst durch Einflüsse "von aussen" geschaffen wurde, so benutzt sie zur Schaffung einer nationalen Identität meist nur solche historischen Symbole, die in der öffentlichen Meinung "positiv besetzt" sind und verschweigt die wirkliche Problematik und Komplexität der Nationswerdung Österreichs:

"Österreich und Ungarn scheinen aufgrund ihrer gemeinsamen kakanischen Geschichte (Robert Musil nannte die kaiserlich-königliche Doppelmonarchie Österreich-Ungarn ironisch Kakanien) im Kulturbetrieb dazu verurteilt, Schauplatz lieblicher Illusionen, kitschiger Klischees und abgelaufener Geschichtsbilder im Dienste konservativer bis obskurer Ideologien zu sein. Die meisten Bilder, die von Österreich und Ungarn entworfen werden, sind das Ergebnis eines kolonialen Blicks von außen, dem sich zum Teil diese Länder selbst schon unterworfen haben und der sie als Reich der Anekdoten und Kuriosa, als fröhliche Apokalypse beschreibt. Die ahistorische Bewußtseinsindustrie des Postfaschismus hat Zerrbilder von Österreich und Ungarn entworfen."

(Quelle: Neue Galerie Graz, 2004)

  • Vergleichen Sie dies mit den oben zitierten Frembildern und Eigenbildern: Können Österreicher tatsächlich so sein, wie diese Bilder suggerieren?
 
  Österreichische Intellektuelle über Österreich

Nicht zufällig sind es gerade Österreicher selbst, die diese Beschreibungen ihrer angeblichen Identität und Mentalität scharf kritiseren. Bei allen Fremd- und Eigenbildern fehlt ihnen der Bezug zum "wirklichen" Österreich.
So schreibt etwa der Wiener Schriftsteller Robert Menasse im Jahr 2000:

"Es scheint aussichtslos. Das Bild, das sich die Welt heute von Österreich macht, ist genauso verschroben, wie das österreichische Weltbild selbst. Fast alles, was über Österreich […] geschrieben wurde, sowohl in der österreichischen wie auch in der internationalen Presse, ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig ist – so kann es keine Diskussion mehr über die reale Lage geben, sondern nur noch über die Gefühle, die den jeweiligen Kommentator angesichts der scheinbar gespenstischen Lage beschleichen." (Manesse 2000:9)

 

    Mit der "gespenstischen Lage" meint Menasse die gegenwärtige Politik, mit der Sie sich später noch ausfährlicher beschäftigen werden.
Aber das heutige Österreich ist eben nicht zu verstehen, wenn man über die historische Herausbildung der spezifisch-österreichischen Mentalität nichts weiß. So schreibt der deutsche Österreich-Kenner Norbert Mappes-Niediek über die heutigen Österreicher und ihre Mentalität:

“[…] aus dem stets von oben beglückten Volk in Österreich ist, wenn auch mit Verspätung und über einen historischen Umweg, eine Nation entstanden, eine, die von der Geschichte ihrer Entstehung geprägt ist. [...] Die österreichische Nation […] ist als murrendes Volk entstanden: immer wieder von fragwürdigen und unverstandenen Reformen aus der Ruhe des täglichen Treibens gebracht, von fortschrittlichen Erlässen und Gesetzen genervt, von ihrem angeblichen ‘Deutschtum’ und anderen Ideologien belästigt, ständig mit neu zugereisten Nachbarn beglückt, bis der lästige Hof endlich weg war und man befreit ausrufen konnte: Mir san mir!

[…] ‘Das Volk’, als träges, beharrendes Element bisher immer nur der dialektische Widerpart des Hofes, siegte nicht, es blieb nur übrig. […] ‘Das Volk’ […] agiert nicht, es verweigert sich höchstens. Es hat deshalb auch keine eigene Geschichte und kann folglich auch keine Verantwortung für sie spüren.”
(Mappes-Niediek 2002:26-27)

 

    Der österreichische Schriftsteller Armin Thurnher meint genau die Diskrepanz zwischen einer Nation, die auf dem Willen ihrer Angehörigen beruht, und einer "nationalen" Geschichte, in der der Wille der Menschen keine Rolle spielte, wenn er das Problematische am heutigen österreichischen Nationalcharakter benennt. Können Sie das folgende Zitat erklären?
 

"Staatlichkeit hat im Habsburgerreich nie in einer Form existiert, mit der die Massen etwas anzufangen wussten. Das Habsburgerreich war kein Staat, sondern ein Reich im Besitz einer Familie. […] Eine Öffentlichkeit, die den Namen wert war, hat es nicht gegeben.

 
Populismus trifft die daraus entstandene österreichische Gefühlslage. Die Wut der Österreicher ist tief, jahrhundertelanges Ducken hat eine spezielle Form der Staatsfeindlichkeit hervorgebracht, unartikuliert, aber aggressiv. Unter der Gemütlichkeit lauert stets die Lust auf eine Hetz."
(Thurnher 1999:206-207)

 

   

Und der österreichische Medienwissenschaftler Wolfgang R. Langebucher kommt schliesslich zu dem Schluss, dass das "typische" Österreichbild der österreichischen und europäischen Öffentlichkeit in Wirklichkeit nur die problematischen Aspekte des modernen Landes verdeckt

"Ich wusste (früher) keine Antwort auf die Frage, warum selbst über die banalsten Dinge von so vielen Österreichern geradezu reflexhaft versichert wird, es sei »typisch österreichisch«. Was bedeutet diese ubiquitär gebrauchte Formel eigentlich? Ist es eine ständige - ängstliche? - Versicherung, dass es so etwas wie »typisch österreichisch« wirklich gibt? Fünfzehn Jahre später habe ich die Überzeugung gewonnen, dass nur eines »typisch österreichisch« ist: Dass so viele Österreicher von so vielen Verhaltensweisen und Denkfiguren glauben, sie seien typisch österreichisch.

Warum? Vielleicht, weil man etwas verspielt hat, was typisch österreichisch war oder doch hätte sein können. Weil typisch österreichisch heute etwas ganz anderes ist als die liebgewordenen, von der Werbung vermarkteten Klischees (Opernball, Sissi, Lipizzaner und, und). Vielleicht etwas durchaus Furchterregendes, Erschreckendes, das man mit dieser Formel übertüncht und verdrängt und das einige von Österreichs Schriftstellern (...) immer neu beschwören - echolos oder beschimpft."

(Quelle: http://www.message-online.de/arch2_00/02lang.htm)

 

     
  Zusammenfassung Gibt es also nun eine besondere "österreichische Identität und Mentalität"?

Sind Sie jetzt verwirrt? --- Wir hoffen ja, denn das war das Ziel dieses Moduls ...

Ganz offenbar "gibt" es eine österreichische Identität und "Kultur". Aber sie sieht "von außen" anders aus als "von innen" - und nicht alle Österreicher sind sich einig, a/ aus welchen Elementen sie besteht und b/ welche Elemente die tatsächliche Lebenswirklichkeit beschreiben könnten. Einig sind sich aber alle, dass Geschichte einen ganz besonderen Stellenwert für das österreichische Selbstverständnis hat und sich auf Gesellschaft, Kultur und Politik offensichtlich recht stark auswirkt.

Bevor Sie zum nächsten Modul gehen, versuchen Sie bitte noch einmal die wichtigsten Punkte zu den Fremd- und Eigenbildern über "österreichische Kultur und Identität" zusammenzufassen.

     

Hier können Sie jetzt mehr über das Land, seine Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur erfahren:  Übersicht

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