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Nach den gängigen Klischees sind die
Österreicher immer lustig und fidel, dazu auch höflich, liebenswürdig
und
gastfreundlich. Tagsüber sitzen sie am liebsten im Kaffeehaus, und am Abend
gehen sie zum Heurigen.
Wenn sie Landbewohner sind, gehören sie einer
Jodlerband oder einer Schuplattlergruppe an.
Die Arbeit nehmen die
Österreicher nicht so ernst. Gutes Essen und guter Wein sind ihnen viel
wichtiger.
Kann man überhaupt von "den
Österreichern" sprechen? (...) Mit den Klischees ist es so eine Sache.
Die
meisten enthalten nur eine halbe Wahrheit. Sicher wollen die Österreicher
das Leben genießen.
Aber letzten Endes wird auch in Österreich fleißig
gearbeitet. Woher kommen schließlich all die Kraftwerke,
Fabriken und
modernen Bauten?
Dass die Österreicher immer lustig und
vergnügt sind (ein "Volk der Tänzer und der Geiger" nach einem
Dichterwort),
stimmt auch nicht ganz. In ihnen steckt auch eine gehörige Portion
Aggressivität, Sentimentalität,
Melancholie und Depression. (...)
Im Grunde sind die Österreicher freilich
Optimisten, lassen sich nicht so leicht erschüttern und geben nicht
so
schnell auf. "Nur keine Aufregung!" ist ein beliebtes Motto. Man will seine
Ruhe haben und liebt es nicht,
gejagt und reglementiert zu werden. Wenn
wirklich einmal etwas schief geht, bleibt man gelassen und sagt:
"Na, es
hätt´ ja schlimmer kommen können" oder "Da kann man halt nichts machen."
(...)
Wie steht es mit der Höflichkeit und
Liebenswürdigkeit der Österreicher? Nun, zu ihren Minderheiten,
aber auch zu
den Migranten und Flüchtlingen aus Südost-Europa sind nicht alle
Österreicher unbedingt
liebenswürdig. Und die Höflichkeit ist auch nicht
immer ganz echt. In Fremdenverkehrsorten tarnt sie
manchmal nur den Nepp.
Die österreichische Gemütlichkeit gibt es sicher, aber hinter dem populären
Motto "Nur net hudeln" können sich auch Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit
und Resignation verbergen.
So ist die Mentalität der Österreicher voller
Widersprüche und oft nur schwer zu verstehen. Gute und
schlechte
Eigenschaften liegen bei ihnen oft ganz eng nebeneinander, aber wie bei
anderen Völkern halten
sie sich wohl auch bei den Österreichern die Waage.
Quelle: Koppensteiner, Jürgen (2001).
Österreich. Ein landeskundliches Lesebuch. Wien: Edition Praesens, 79-80
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